XP-Reparatur
Aus PC-WELT-Wiki
Schalter an – schwarzer Bildschirm: Wenn XP nicht mehr startet, bleiben Ihnen nicht viele Möglichkeiten. Bevor Sie alles neu aufsetzen, sollten Sie die Reparatur-Installation ausprobieren.
Im Setup-Programm von Windows 2000, XP und Server 2003 versteckt sich eine Funktion, die ein defektes System automatisch reparieren kann. Der Clou dabei: Alle Ihre Daten, die Benutzerprofile samt NTFS-Rechten und Verschlüsselung, die installierten Anwendungen und die Registry bleiben erhalten. So gehen Sie vor: Wir sagen Ihnen genau, wann eine solche Windows-Reparatur sinnvoll ist und wann nicht. Diese Methode hat nämlich auch ihre Tücken. Welche – das erfahren Sie ebenfalls in unserem Artikel. Und wir liefern kompetente Lösungsvorschläge, was Sie in einer solchen Situation unternehmen können. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie eine Reparatur-Installation durchführen, finden Sie am Ende der Seite.
Die versteckte Lösung
Auch wenn sich eine Reparatur-Installation einfach durchführen lässt, der Vorgang stellt einen schwerwiegenden Eingriff in das System dar. Was dabei tatsächlich geschieht, hat Microsoft nirgendwo offen gelegt. Wir informieren Sie in Punkt 2 in aller Kürze über den Umfang dieser Aktion. Punkt 3 geht auf kleinere Bootprobleme ein, die Sie in jedem Fall mit anderen Mitteln lösen sollten als mit einer Reparatur- oder gar Neu-Installation. Punkt 4 nennt Fälle, in denen sich die Reparatur-Methode empfiehlt, und wann wir eher davon abraten.
Das macht die Reparatur-Installation
Die technischen Vorgänge hinter der Reparatur-Installation blieben undokumentiert. Anhand eines Vorher-Nachher-Vergleichs von Systemdateien und Registry konnten wir aber herausfinden, an welchen Stellen diese Methode eingreift.
Da es sich bei der Reparatur- um keine Neu-Installation handelt,löscht sie keine vorhandenen Daten. Sie holt alle wesentlichen Systemdateien (EXE, DLL, SYS) einfach von der Setup-CD, extrahiert sie in das bestehende Windows und registriert sie dort neu. Dabei überschreibt sie sämtliche gleichnamigen Dateien, entfernt allerdings nicht die überzähligen. Eine Ausnahme bildet der Ordner „\System Volume Information\“ mit den Wiederherstellungspunkten, die allesamt beseitigt werden. Die Registry bleibt fast vollständig erhalten, mit zwei Ausnahmen: Der Schlüssel „Hkey_Local_Machine\Software\Classes“ wird aufgrund der Neuregistrierung der Systemdateien neu geschrieben. Außerdem werden Hardware-Komponenten, die Sie vor der Reparatur-Installation eingebaut haben, automatisch erkannt und installiert – sofern der Treiber vorliegt. Alle anderen Dateien und Registry-Schlüssel bleiben unberührt. Das schränkt natürlich die Fehler ein, die sich durch eine Reparatur-Installation beheben lassen. Die Methode ist daher kein Allheilmittel, aber eine wichtige Zeitspar-Option gegenüber dem Tabula rasa der Neu-Installation.
Das kommt vor einer Reparatur-Installation
Nicht immer ist die Reparatur-Installation das Mittel der Wahl. Auf jeden Fall sollten Sie die folgenden Tipps ausprobieren, um Ihr System wieder zum Laufen zu bekommen.
Abgesicherter Modus: Die klassische Reparatur-Option startet Windows in einer abgespeckten Form. Bei Problemen mit Autostart-Tasks oder Treibern ist sie häufig erfolgreich. Während des Bootvorgangs drücken Sie dazu wiederholt auf <F8> und wählen dann die Start-Option „Abgesicherter Modus“. Wenn dieser Modus noch funktioniert, können Sie fehlerhafte Programme oder Treiber dort deaktivieren. Treiber zurücksetzen: Die Start-Option „Letzte als funktionierend bekannte Konfiguration“ erreichen Sie ebenfalls via <F8> beim Bootvorgang. Sie eignet sich ausschließlich bei Treiberproblemen, weil sie die Hardware-Konfiguration, die beim letzten erfolgreichen Windows-Start gesichert wurde, in die aktuelle Registry zurückschreibt.
Bootsektor reparieren: Falls der Startvorgang schon nach wenigen Sekunden abbricht, sind möglicherweise der Bootsektor und das Bootmenü (Boot.INI) defekt. Um diese zu reparieren, müssen Sie zunächst die Wiederherstellungskonsole starten. Booten Sie Ihren Rechner dazu mit der Windows-CD, drücken Sie bei der ersten Aufforderung auf <R>, wählen Sie eine Windows-Installation aus, und geben Sie dann das Kennwort Ihres „Administrator“-Kontos ein. Bei XP Home ist dieses Kennwort standardmäßig nicht gesetzt, drücken Sie hier einfach <Return>. Dann führen Sie nacheinander die drei folgenden Befehle aus:
fixmbr fixboot bootcfg /rebuild
Abschließend geben Sie „exit“ ein, um den Rechner neu zu starten. Ntldr und Ntdetect wiederherstellen: Wenn der Bootvorgang mit dem Fehler „NTLDR fehlt“ abbricht, müssen Sie den NT-Loader von der Windows-CD nachinstallieren. Starten Sie dazu die Wiederherstellungskonsole wie oben beschrieben. Geben Sie dann folgende Befehle ein – wir gehen im Beispiel davon aus, dass die Bootpartition C:\ und das CD-Laufwerk D:\ ist:
d: cd i386 copy ntldr c:\
copy ntdetect.com c:\
Mit „exit“ starten Sie Ihren Rechner anschließend neu.
Der richtige Zeitpunkt für die <R>-Taste
Wenn alle unter Punkt 2 beschriebenen Maßnahmen nichts gebracht haben und Sie immer noch vor einem schwarzen Bildschirm sitzen, können Sie die Reparatur-Installation ausprobieren. Eine solche Reparatur funktioniert aber nur, wenn das System auf der Setup-CD das gleiche ist, das Sie installiert haben. Es gibt eine Reihe von Problemen, die dieses Verfahren nicht oder jedenfalls nicht allein lösen kann: Hat ein Virus oder Wurm das System befallen, bleibt er wahrscheinlich weiter bestehen. Wenn Sie den Schädling entfernen können (etwa über ein externes System wie Knoppix oder Bart PE), danach aber immer noch ein Systemproblem haben, ist die Reparatur-Installation die richtige Wahl.
Das Gleiche gilt, wenn die Fehlerursache nicht bekannt ist: Sie können davon ausgehen, dass eventuell defekte oder gar fehlende Systemdateien repariert werden. Meistens hilft die Reparatur-Installation, wenn Ihr XP den Start verweigert, nachdem Sie die Hauptplatine ausgetauscht haben. Der Grund für die Probleme: Die vorhandenen Treiber kommen mit der Platine nicht klar. Während der Reparatur-Installation wird die neue Hardware erkannt und der passende Treiber – falls vorhanden – installiert. Im Idealfall können Sie das System danach genauso weiternutzen wie vor dem Eingriff (nachdem Sie es eventuell bei Microsoft neu aktiviert haben).
Die Grenzen: Fehlkonfigurationen in vielen Teilen der Registry beheben – das kann die Reparatur-Installation ebenso wenig wie kaputte Treiber reparieren. Natürlich korrigiert sie auch keine Fehler in Anwendungen oder eine schwächer werdende Rechner-Leistung.
Spezialfälle Wenn sich die Reparatur-Installation starten lässt, läuft sie meist ohne Probleme durch. Achten Sie jedoch vor der Aktion darauf, ob bei Ihnen eines der nachfolgend genannten Spezialprobleme zutrifft. Diese können den Erfolg der Reparatur in Frage stellen.
Datenverlust bei vorinstalliertem XP
Falls Sie einen PC mit vorinstalliertem Windows XP besitzen und das Service Pack 2 oder 3 noch nicht installiert haben, dann befindet sich möglicherweise eine Datei mit dem Namen Undo_Guimode.TXT unter \Windows\System32. Wenn Sie jetzt die Reparatur-Installation starten, kann es passieren, dass einzelne Dateien und Einstellungen des Standard-Benutzers („\Dokumente und Einstellungen\Default User“) gelöscht werden. Ebenfalls bedroht sind Verknüpfungen im Startmenü aller Benutzer („\Dokumente und Einstellungen\All Users\Startmenü“) und Dokumente im Ordner „\Dokumente und Einstellungen\All Users\Gemeinsame Dokumente“.
Ursache dafür ist laut Microsoft, dass das Setup aufgrund der genannten Datei davon ausgeht, dass die Installation zuvor fehlgeschlagen ist. Mit den Infos aus der Textdatei wird das System wieder auf einen früheren Stand gebracht. Dabei werden die genannten Dateien gelöscht. Um das Problem zu lösen, löschen Sie einfach die TXT-Datei. Wenn Ihr System nicht lauffähig ist, starten Sie dazu die Wiederherstellungskonsole wie in Punkt 2 beschrieben und geben dann die Befehle
cd /system32 del undo_guimode.txt
ein. Ab installiertem Service Pack 2 tritt das Problem nicht mehr auf.
IDE-Treiberprobleme: Besser auf Standard setzen
Wenn Sie die Reparatur-Installation nur aufgrund eines Hauptplatinen-Wechsels durchführen, müssen Sie darauf achten, dass es nicht zu Konflikten zwischen dem IDE-Treiber der alten Platine und der neuen Hardware kommt. Am besten de-installieren Sie den alten IDE-Treiber, bevor Sie die Platinen austauschen. Dazu öffnen Sie unter „Systemsteuerung, System, Hardware“ den „Geräte Manager“, klappen den Eintrag „IDE ATA/ATAPI-Controller“ aus, klicken mit der rechten Maustaste auf den IDE-Controller und wählen „Deinstallieren“.
Sollte das Kind bereits in den Brunnen gefallen sein und Ihr Windows-Start nach einem Platinenwechsel und Reparatur-Installation mit einem Blue Screen enden, dann hilft Ihnen unser Tipp „System übertragen: So bringen Sie Windows auf neue Hardware“ aus der PC-WELT 4/2002, Seite 314.
Die Reparatur-Installation lässt sich nicht starten
Eventuell erhalten Sie beim Versuch, die Reparatur-Installation zu starten, immer den Bildschirm 3b statt 3a (siehe Reparatur-Installation Schritt-für-Schritt). Der wahrscheinlichste Grund dafür ist eine fehlende oder kaputte Boot.INI. Anhand der Einträge in dieser Datei erkennt das Setup-Programm bereits vorhandene Windows-Installationen. Um sie zu reparieren, starten Sie die Wiederherstellungskonsole (Punkt 2) und geben
bootcfg /rebuild
ein. Beim nächsten Versuch, die Reparatur-Installation zu starten, sehen Sie den Bildschirm 3a und können somit weitermachen.
Updates & Service Packs Nach einer Reparatur-Installation ist alles beim Alten – fast: Was fehlt, sind Updates und Service Packs. Nachdem alle vorhandenen Systemdateien durch diejenigen von der Windows-CD ersetzt wurden und diese CD möglicherweise keinerlei Service Packs enthält, ist ihr System danach ebenfalls ungepatcht.
pcwUltimateLoader: Windows-CD mit allen Updates
Sie können sich einiges an Arbeit sparen, wenn Sie sich eine Windows-XP-CD mit integriertem Service Pack 3 und Updates anlegen. Dazu müssen Sie jedoch auch irgendein Windows-XP-System mit Brenner zugreifen können, wenn das eigene gerade flach liegt. Die Integration eines Service Packs in bestehende Setup-Dateien wird mit der so genannten „Slipstream“-Methode durchgeführt. Am bequemsten können Sie Service Pack 3 mit unserem Tool pcwUltimateLoader in Ihre Setup Dateien einbinden.
PC-WELT-Tool einsetzen: Mit unserem Script können Sie die Setup-Dateien aller relevanten Sicherheits-Updates herunterladen und bei Bedarf in einem Rutsch installieren. Falls Sie die Reparatur-Installation aufgrund eines Platinentausches durchführen möchten, dann lassen Sie den pcwUltimateLoader zuvor auf Ihrem System arbeiten. Wenn Sie die Reparatur-Installation aber wegen eines Defekts durchführen, dann müssen Sie den pcwUltimateLoader zunächst auf einem anderen Rechner laufen lassen, der auf einem möglichst aktuellen Update-Stand ist. Wichtig dabei ist, dass auf dem anderen Rechner das gleiche System installiert ist wie bei Ihnen, zum Beispiel XP Home.
SP3 & Updates besorgen: Um sich die Setup-Dateien der Updates zu besorgen, entpacken Sie das pcwUltimateLoader-Archiv in einen beliebigen Ordner und starten das enthaltene Script pcwUltimateLoader.HTA. Klicken Sie dann auf die Schalfläche „>>“ neben dem Feld „Haupt-Zielverzeichnis“, und bestimmen Sie einen Ordner, in dem die Updates abgelegt werden sollen. Wenn Sie den Rechner eines Bekannten nutzen, sollten Sie zum Beispiel ein USB-Laufwerk wählen, das Sie mitgebracht haben. Dann aktivieren Sie die Klickboxen "Windows XP SP3 downloaden (313 MB)" und "Brenntools ebenfalls herunterladen". Im nächsten Schritt stellen Sie eine Internet-Verbindung her und klicken auf „Überprüfen“. Nun lädt unser Tool einige Hilfs-Anwendungen herunter und prüft das System auf relevante Sicherheits-Updates. Diese erscheinen dann in der „Updateliste“. Über einen Klick auf „Laden“ werden die Dateien in Ihr „Haupt-Zielverzeichnis“ heruntergeladen.
Gepatchte CD erstellen: Nachdem Sie sich alle Updates besorgt haben, wählen Sie aus der Drop-Down-Liste den Buchstaben Ihres CD/DVD-Brenners aus, legen Sie die XP-CD ein, und klicken auf „Setup-CD/DVD anlegen“. Nachdem das Tool alle Setup-Dateien kopiert und das Service Pack 3 und die Updates eingebunden hat, legt es ein bootfähiges Image an und brennt es.
Übrigens: Mit dem Tool Nlite (http://www.nliteos.com (gratis) für Windows 2000 und XP) können Sie sich eine Setup-CD anlegen, die bereits alle Updates enthält. Wie Sie das machen, steht in unserem Artikel „Windows-CD maßgeschneidert“ (PC-WELT 3/2006, Seite 98 bis 101).


