Vista Notfallsystem
Aus PC-WELT-Wiki
Booten und Reparieren mit Win PE
Vista bringt ein neues [Bootkonzept] mit, das interessante Möglichkeiten für die Systemreparatur bietet. Das verspricht, dass Sie lange Freude an Ihrem System haben.
Von Hermann Apfelböck
Wenn Windows nicht mehr läuft, lassen sich von einem Notfallsystem aus umfangreiche Reparaturarbeiten durchführen. Windows Vista bringt – anders als seine Vorgänger – ein solides Zweitsystem auf der Setup-DVD mit. Dieses reicht zwar nicht ganz an Bart PE heran [BartPE-Download]. Mit Hilfe unserer Tricks lässt es sich aber praktisch einsetzen. Die nachfolgenden vier Punkte zeigen, was die neue Vista-Umgebung enthält und was man damit machen kann.
1. Boot.WIM und Install.WIM Die Vista-Setup-DVD besteht im Wesentlichen aus zwei großen Dateien mit der Erweiterung WIM (unter \Sources). Das Windows-Imgaging-Archiv Boot.WIM enthält das von DVD bootende Mini-Windows Win PE (Windows Preinstallation Environment), die Datei Install.WIM sämtliche Vista-Versionen. Bei der Installation entpackt Win PE die gewünschte Version auf die Festplatte. Findet das von Setup-DVD bootende Win PE auf der Festplatte bereits ein existierendes Vista, bietet es außer der Installation den zusätzlichen Punkt „Computerreparaturoptionen“, mit dem der Anwender unter anderem auf die Systemwiederherstellungspunkte oder eine Komplettsicherung von Vista zugreifen kann.
Über die vorgegebenen Optionen hinaus beherrscht Win PE Teile der Vista-API (Application Programming Interface) – darunter die Input/Output-Funktionen (Eingabe/Ausgabe), also den Zugriff auf Festplatten, Netz und USB-Geräte. Das heißt, es lassen sich unter Win PE auf der Kommandozeile viele Tasks ausführen, etwa Dateimanager, Registry-Programme und Kopier-Tools. Damit haben Vista-Anwender von Haus aus eine umfassende Reparaturumgebung zur Verfügung. Allerdings können Sie beispielsweise nicht drucken, Musik hören oder den Windows-Explorer starten.
2. Angepasste Setup-DVD erstellen Das komprimierte WIM-Format ist offen: Mit den entsprechenden Microsoft-Tools, etwa Imagex.EXE, kann man eigene WIM-Archive erstellen oder bestehende ändern. Diese Technik verwenden beispielsweise System-Admins oder Microsofts OEM-Partner, um angepasste Install-Archive mit Hardware-spezifischen Treibern und zusätzlicher Software zu erstellen.
Grundsätzlich können auch Endanwender für den Fall der Fälle eine angepasste Setup-DVD erstellen. Die notwendigen Tools gibt es kostenlos – wenn auch nur im Paket des relativ umfangreichen „Windows Automated Installation Kit“ [AIK-Download, 700 MB]. Die darin enthaltene Bootumgebung und das Basisarchiv Winpe.WIM können Sie mit dem Befehl
copype x86 <Ordner>
in einen Ordner Ihrer Wahl kopieren. Danach mounten Sie mit dem ebenfalls in Windows AIK enthaltenen Imagex den Inhalt des Winpe.WIM-Images:
imagex /mountrw <Ordner>\winpe.wim 1 <Ordner>\mount
Das leere Verzeichnis „Mount“ wird von Copy PE automatisch angelegt, als Zielordner müssen Sie ein bestehendes leeres Verzeichnis angeben. Die Zahl „1“ verweist hier auf das erste Image in der WIM-Datei – ein solches Archiv kann eine ganze Anzahl davon enthalten. Unter „mount“ lässt sich dann der Datenbestand des Archivs anpassen, löschen, erweitern und anschließend mit allen Änderungen per
imagex /unmount /commit <Ordner>\mount
wieder in das ursprüngliche WIM-Archiv zurückschreiben – vorausgesetzt, das Medium und die gesetzten NTFS-Rechte erlauben das.
3. Die neue Boot-Umgebung Das Reparatur-Windows auf Setup-DVD booten Sie ohne jeden Systemeingriff. Im Bios muss dazu lediglich das DVD-Laufwerk in der Bootreihenfolge an erster Stelle stehen.
Um aber ein selbst angepasstes WIM-Archiv etwa auf Festplatte oder auf einem USB-Gerät booten zu können, sind einige Grundkenntnisse zur neuen Boot-Umgebung erforderlich, die wir Ihnen im Folgenden liefern: Microsoft hat das Bootkonzept geändert, um neue Techniken wie EFI (Extensible Firmware Interface)und das WIM-Format verwenden zu können - siehe auch PC-WELT 3/2007, ab S. 64, sowie [Vista-Installation]. Im Hauptverzeichnis befindet sich der Boot-Manager „bootmgr“, der die Konfiguration des neuen BCD-Speichers (Boot Configuration Data) unter \Boot\BCD ausliest. Die bisher verwendete Boot.INI gibt es nicht mehr. Das bedeutet: Wenn Sie etwa auf einem Vista-Rechner zusätzlich XP installieren, lässt sich Vista nicht mehr starten. Zur Wiederherstellung können Sie die auf der Vista-Setup-DVD gebotenen „Computerreparaturoptionen“ verwenden.
Die Booteinträge lassen sich unter Vista auch nicht mehr so einfach modifizieren wie unter XP. Dafür ist jetzt das sperrige, aber sichere Kommandozeilen-Tool Bdcedit zuständig. Einige einfache Beispiele: Um die vorhandenen Booteinträge anzuzeigen, genügt der Befehl „bcdedit“ ohne Parameter. Einen überflüssigen Eintrag entfernen Sie mit
bcdedit /delete <ID>
Für <ID> ist die 36-stellige Hexzahl einzugeben, die Sie vorher mit „bcdedit“ ermittelt haben. Das Einrichten eines neuen Booteintrags erfordert eine ganze Reihe von Bcdedit-Kommandos. Unter www.pcwelt-praxis.de/downloads finden Sie das Beispielscript [BootFromWim.CMD]. Es trägt eine mit dem Windows AIK und Copy PE vorbereitete Boot.WIM (also ein Windows PE) als zusätzliche Boot-Option „WinPE“ auf der Festplatte ein.
4. Win PE bootet von USB-Stick Sofern es PC und Bios zulassen, wird mit dem WIM-Format und der neuen BCD-Umgebung das Booten eines Mini-Windows von USB zur relativ leichten Aufgabe. Voraussetzung ist wieder, dass Sie Windows AIK installiert und die dort enthaltene Boot.WIM samt Startumgebung bereits in einen leeren Ordner – sagen wir C:\PE – kopiert haben (siehe Punkt 2). Danach sind nur noch folgende Schritte notwendig: 1. Formatieren Sie den USB-Stick mit FAT32 (FAT funktioniert nicht).
2. Gehen Sie auf der Kommandozeile nach \AIK\Tools\PETools\x86 und geben folgenden Befehl ein:
bootsect.exe /nt60 <Laufwerksbuchstabe>
Das legt den Vista-Bootsektor auf dem USB-Stick an.
3. Schließlich kopieren Sie mit dem Explorer einfach den Inhalt des Verzeichnisses C:\PE\ISO in das Hauptverzeichnis des USB-Sticks. Dieses sollte dann die vier Einträge zeigen wie in unserer Abbildung.





